Projekt Grenzgänger


Unsere Zwei-Mann-Crew:
Freddy Kuhlmann und Michaela Thol

Wir träumen von weiten Ozeanen, sternenklaren Nächten und fernen Ländern. Wir träumen von einem schnellen und stabilen Boot. Wir träumen von einfacher Handhabung bei kleinster Crew. Wir träumen von einem Trimaran.

Unser Prototyp: PoC - Proof of Concept
Jungfernfahrt am 27.7.2017 in Kerteminde
Bauzeit: knapp 2 Jahre



Unser aktuellster Blog-Eintrag:

92. Projekt Vertikale Tempervorrichtung

Also, ich weiß ja nicht, wie es euch ergangen ist, aber unsere Feiertage sind bisher etwas anstrengend verlaufen.

 

Anstatt wie alle Jahre wieder quer durch die Republik zum Familienbesuch zu düsen, haben wir uns dieses Jahr aufgrund der Pandemie nach Absprache mit unseren Familien bereits frühzeitig zum „Einigeln“ entschlossen.

 

Im Vorfeld habe ich Freddy um eine ordentliche Balance für die kommenden „job“-freien Tage gebeten, was er mir zugesagt hat. Ich meinte damit eigentlich, dass ich gern auch Zeit für Essen, Schlafen, Erholen und andere belanglose Dinge hätte. Inzwischen habe ich aber herausgefunden, dass sich seine Balance auf Spachteln, Schleifen, Laminieren und andere Werkstatttätigkeiten bezieht. Ich muss das nächste Mal wohl etwas deutlicher kommunizieren.

 

Statt uns zu erholen, haben wir also eine lange To Do-Liste in Bezug auf den Grenzgänger mit Projekten, die man ehrlicherweise auch am besten in der Betriebsruhe angeht, um die Mitarbeiter nicht in den Wahnsinn zu treiben.

 

Ein Punkt auf dieser Liste ist das Ausrichten der drei Rümpfe. Dafür holen wir am Heiligabend unsere Seitenrümpfe aus der ersten Etage und schieben alle drei Rümpfe in unseren Warenausgang. Das ist gleichzeitig auch ein Test, um zu prüfen, ob wir den Mittelrumpf ohne viel Aufwand aus unserer Werkstatt bekommen. Ist hiermit bestätigt. Und als alle drei Rümpfe so ausgerichtet nebeneinander stehen, fühlen wir uns sehr beschenkt. Auf diesen Anblick haben wir sooo lange gewartet. Jetzt können wir den Höhenversatz und damit die Form der Beams festlegen und entscheiden, wie tief die Seitenrümpfe im Wasser liegen werden. Auch werden wir jetzt die finale Länge der Seitenrümpfe entscheiden können.

 

Das Herausrollen der drei Rümpfe aus unserer Werkstatt hat aber noch einige andere Gründe: wir wollen ein paar Umbaumaßnahmen in der Werkstatt angehen, für die wir viel Platz benötigen.

 

Das größte Projekt auf unserer Liste: die vertikale Tempervorrichtung mit zirkularer Wärmeluftbewegung.

 

Fleißige Blogleser werden sich eventuell daran erinnern, dass wir im Zuge unserer ersten Mastwickelexperimente davon gesprochen haben, unseren Temperofen nochmal zu optimieren, denn die Mastelemente liegend aushärten zu lassen sorgte für eine minimale Verkrümmung der Elemente. Daher hat Freddy seitdem über einen vertikalen Temperofen nachgedacht. Unsere Mastelemente werden eine maximale Länge von 6,5 Metern haben. Wir haben die Tempervorrichtung jetzt allerdings noch etwas größer gebaut, damit auch die Beams darin getempert werden können. Inwieweit es Sinn macht, die hängend, bzw. senkrecht stehend aushärten zu lassen, müssen wir uns noch überlegen, aber die Option ist jetzt da.

 

Der Bau dieser Tempervorrichtung ist eine kleine Herausforderung, mit 8,2 Meter Höhe (begrenzt durch unsere Hallendecke) und 1,25 Meter Tiefe, in der hintersten Ecke unserer Werkstatt. Wir entscheiden uns, das Teil segmentartig zusammenzubauen und immer weiter in die Höhe zu ziehen. Als erstes legen wir dafür eine Schlinge um den Betonpfeiler an der Hallendecke. Ab hier wird es aufregend. Freddy hat keine Angst vor den Höhen, aber ich werde echt nervös so ganz ohne Sicherung, sowohl für mich selbst als auch beim Zuschauen. Im Schwerlastregal auf die oberste Fläche zu klettern, ist für mich noch kein Problem, aber von da aus noch auf eine Leiter, die über den Abgrund ragt oder ein Umstieg auf die C-Träger der Wand … da wird mir mulmig.

 

Und anstrengend wird es auch für mich, denn ich bin diejenige, die ganz oben im obersten Regalfach des obersten Stockwerks steht und diesen riesigen Holzsarg per Kettenzug nach oben zieht, während Freddy ganz unten (direkt unter dem Holzgebilde) steht und neue Segmente anschraubt. Ich sehe etliche Katastrophenfilme in meinem Kopf und bin heilfroh, dass das Teil offensichtlich stabil und sicher hängt und später auch sehr stabil und eigenständig steht.

 

Um die warme Luft zirkulieren zu lassen, müssen wir an der Rückseite noch oben und unten einen Rohrdurchbruch in das Holz sägen (mit der neuen Fuchsschwanzsäge :-) und unsere alukaschierten Lüftungsrohre auf die entsprechende Länge verlängern und befestigen. Auch dieser Schritt passiert in sehr aufregenden Haltungen, verläuft aber problemlos.

 

Jetzt fehlen noch die Türen-Segmente, aber die können wir auch später noch montieren. Und die Rohrdurchgänge müssen noch etwas abgedichtet werden. Die Monsteraufgabe ist aber erledigt und das Temperiergerät läuft gleich im ersten Testgang und leitet 40°C warme Luft durch die Röhre. Oben saugt es die Luft an, unten stößt es sie aus.

 

Für den Bau haben wir drei halbe Tage benötigt.