Projekt Grenzgänger


Wir träumen von weiten Ozeanen, sternenklaren Nächten und fernen Ländern. Wir träumen von einem schnellen und stabilen Boot. Wir träumen von einfacher Handhabung bei kleinster Crew. Wir träumen von einem Trimaran.


Unsere Zwei-Mann-Crew:
Freddy Kuhlmann und Michaela Thol

 


Unser Prototyp: PoC - Proof of Concept
Jungfernfahrt am 27.7.2017 in Kerteminde
Bauzeit: knapp 2 Jahre




Die Dimensionen des Grenzgängers

Wir haben die letzten Tage viel Kleinkram gemacht und gegrübelt, wie unsere nächsten Schritte aussehen. Wir müssten jetzt einige Entscheidungen treffen. Wo positionieren wir die Einstiegsluken auf den Seitenrümpfen? Wo bauen wir den Schwertkasten hin? Wir können das nicht entscheiden, ohne die Positionen der Beams zu kennen. Beams sind die Querverstrebungen, die die drei Rümpfe miteinander verbinden werden. Um deren Position festzulegen, muss aber der Mittelrumpf existieren. Auch die finale Form der Büge wollen wir mit dem Mittelrumpf abgleichen.

 

Von daher haben wir entschieden, dass unsere Arbeit an den Seitenrümpfen erstmal beendet ist. Wir legen jetzt mit dem Mittelrumpf los.

 

Bevor wir beide Seitenrümpfe in unser oberes Stockwerk verfrachten, rollen wir beide nach draußen. Wir wollen sie unbedingt einmal im richtigen Abstand zueinander aufstellen, um die Breite vom Grenzgänger zum ersten Mal live zu sehen. Der Anblick ist ... beeindruckend. Ja. Wir werden ordentlich breit sein.

 


Freddy hat sich eine Strategie überlegt, wie wir die Seitenrümpfe nach oben in das zweite Stockwerk unserer Werkstatt bekommen. Wie sie dann wieder nach unten kommen, ist noch ungeklärt ;-).

 

Wir haben eine Traverse für den Gabelstapler gebaut, zwei Gurte drum und anheben. Nach zwei minimalen Justierungen schwebt der Rumpf ausbalanciert und ruhig. Tatsächlich geht das alles ziemlich einfach. Wir können den Rumpf soweit hereinschweben lassen, dass das vordere Rollbrett wieder aufliegt. Dann kommt ein zweiter Gabelstapler von hinten, wir lösen die Traverse und Gurte und schieben vorsichtig nach. Wir haben uns das etwas komplizierter vorgestellt.

 

Beide Rümpfe sind jetzt „eingelagert“ und wir werden uns erstmal auf das Aufräumen und Optimieren der Werkstatt stürzen, bevor wir den Platz wieder mit dem Mittelrumpf belegen. 

Arbeiten am Bug

Wir mussten die letzten Tage etwas ruhiger treten. Genauer gesagt hat uns ein Virus erwischt und uns ziemlich ausgeknockt. Freddy war nach einigen Tagen wieder auf den Beinen, ich habe etwas länger gebraucht.

 

Ein bisschen sind wir aber seit dem letzten Eintrag bereits vorangekommen.

 

Die Bugbretter haben jetzt die Schräge, die wir uns für die Büge vorstellen. 16° Grad sind es, das wird ungefähr unserer Vorstaglinie entsprechen. Auf dem Bild liegen sie mit dem Kiel nach oben, also nicht verwirren lassen.

 

 

Und dann sind wir die Verbindung vom Sandwich zum Bugbrett angegangen. Wir wollen hier einen stabilen, sauberen und glatten Übergang. Das machen wir mit einer Spachtelmasse aus Epoxidharz. Polyurethanschaum wollen wir an der Stelle nicht verwenden, da es uns zu leicht delaminiert. 

 

Geheimrezept für unsere aufschäumbare Spachtelmasse

 

Man nehme:

500g Epoxidharz

600ml Microballons (ca. 2,5 Becher)

350ml Thixotropiermittel (ca. 1,5 Becher)

110g Härter (jeweilige Mischungsverhältnis beachten!)

20g Schaumtreibmittel

 

 

Diese Spachtelmasse erinnert uns massiv an Marshmellowcreme. Wir dürfen hier nicht ins Träumen kommen, sonst lecken wir nachher noch die Schüssel aus.

Die Creme lässt sich sehr dosiert auftragen. Danach legen wir noch etwas Abreißgewebe über den Bereich und lassen aushärten.

 

 

Wenn genug Spachtelmasse aufgebracht ist, wird alles glatt geschliffen und mit einer Lage 750g Triaxial-Glasgelege abgeschlossen. Jetzt haben wir einen sauberen und in alle Lastrichtungen sehr stabilen Übergang vom Sandwich auf den Bug. Die eigentliche Modellierung werden wir mit einem Polyurethan-Schaum machen. Der sorgt quasi für die Optik, hat aber mit der Stabilität weniger zu tun.

 

Wir starten mit Kiel und Bug

Die letzten Tage haben wir gefühlt mit Kleinkram verbracht.

Freddy hat das Kiel- und Bugbrett des ersten Seitenrumpfs per Laser ausgerichtet und anlaminiert.

 

 

Dann haben wir uns eine Vorrichtung gebaut, mit der wir den zweiten Seitenrumpf ohne viel Aufwand bei uns in der Bau-Ecke gedreht bekommen (gemeint ist: von Deck obenliegend nach Kiel obenliegend). Das Drehen des ersten Seitenrumpfs war uns etwas zu kompliziert, mit Gabelstaplern vorn und hinten, und auch nicht besonders Rumpfschonend. Jetzt haben wir Kettenzüge in unserer Ecke an der Zwischendecke befestigt und das Drehen war ruckzuck und von Freddy einhändig erledigt.

 

 

Während Freddy danach beim ersten Seitenrumpf den Bugbereich mit einer Schicht Glasgelege versieht, kümmere ich mich um das Zuschneiden von Styrodurleisten. Den Bereich, wo jetzt das Kielbrett positioniert ist, hatten wir ja beim Fluten ausgelassen. Jetzt kann ich die Lücken drum herum mit Styrodur versehen. Mit der Aufgabe habe ich mir ordentlich etwas eingebrockt. Es fühlt sich an wie ein Kampf mit drei Parteien, jeder gegen jeden. Cuttermesser gegen Styrodur gegen Michaela. Zum Schluss gewinne ich, aber meine Finger sind arg zerschnitten.

 

Am Samstag wickeln wir die zugeschnittenen Leisten mit Bi-Diagonal-Gelege ein, dann kommt eine Schicht Tri-Axial drüber, wobei wir den Bugbereich noch auslassen. Wir laminieren diesmal per Hand, ziehen anschließend Vakuum drauf und aktivieren auch das Temperiergerät wieder, um die Aushärtung zu beschleunigen.

Danach macht sich Freddy an das Bug- und Kielbrett des zweiten Seitenrumpfes, richtet wieder mit Hilfe eines Lasers aus und laminiert das Purenit-Brett an, so dass ich hier wieder die Styrodur-Zuschnitte angehen kann.

 

Am Sonntag kann die Folie bereits wieder entfernt werden. Als nächsten Schritt beim ersten Seitenrumpf werden wir die Bug-Modellierung angehen.