Projekt Grenzgänger


Wir träumen von weiten Ozeanen, sternenklaren Nächten und fernen Ländern. Wir träumen von einem schnellen und stabilen Boot. Wir träumen von einfacher Handhabung bei kleinster Crew. Wir träumen von einem Trimaran.


Unsere Zwei-Mann-Crew:
Freddy Kuhlmann und Michaela Thol

 


Unser Prototyp: PoC - Proof of Concept
Jungfernfahrt am 27.7.2017 in Kerteminde
Bauzeit: knapp 2 Jahre




Es wird groß und schwarz - die Blase entsteht

Nach einigen Wochen Funkstille melden wir uns wieder.

Nach dem Verholen der Seitenrümpfe auf die zweite Ebene haben wir erstmal etwas Zeit gebraucht, um uns wieder zu sortieren. Außerdem haben wir zwei sehr entspannende Wochen beim Tauchen in Ägypten verbracht, das musste auch mal sein.

 

Wir waren aber nicht untätig. Freddy hat sich bereits vor dem Urlaub auf die PVC-Blase des Mittelrumpfes gestürzt. Er hat den Rumpf aufgezeichnet und anhand dessen die Zuschnitte der Blase berechnet.

 

Die Dimensionen werden jetzt noch einmal etwas beeindruckender. An der dicksten Stelle haben wir einen Blasenumfang von 7,20m. Da die PVC-Folie nur 2m breit ist, gibt es entsprechend viele Klebestellen. Letztendlich haben wir über die Länge von 11,50 Meter drei Lagen a 2 Meter und einige kleinere spezielle Zuschnitte verarbeitet. Wie bei den Seitenrümpfen gibt es eine Schleuse am Heck zum Ein- und Aussteigen sowie zwei kleine Schlauchzugänge, durch die das Kabel des Temperiergerätes und der Staubsaugerschlauch geführt werden.

 

Gestern haben wir die Blase zum ersten Mal testweise aufgeblasen. Sie war auf Anhieb dicht.

 

Wie schon bei den Seitenrümpfen wird die Blase später zusammen mit der Hülle aus Abreißgewebe durch Spannvorrichtungen am Bug und Heck in die gewünschte Form gebracht.

 

Die Dimensionen des Grenzgängers

Wir haben die letzten Tage viel Kleinkram gemacht und gegrübelt, wie unsere nächsten Schritte aussehen. Wir müssten jetzt einige Entscheidungen treffen. Wo positionieren wir die Einstiegsluken auf den Seitenrümpfen? Wo bauen wir den Schwertkasten hin? Wir können das nicht entscheiden, ohne die Positionen der Beams zu kennen. Beams sind die Querverstrebungen, die die drei Rümpfe miteinander verbinden werden. Um deren Position festzulegen, muss aber der Mittelrumpf existieren. Auch die finale Form der Büge wollen wir mit dem Mittelrumpf abgleichen.

 

Von daher haben wir entschieden, dass unsere Arbeit an den Seitenrümpfen erstmal beendet ist. Wir legen jetzt mit dem Mittelrumpf los.

 

Bevor wir beide Seitenrümpfe in unser oberes Stockwerk verfrachten, rollen wir beide nach draußen. Wir wollen sie unbedingt einmal im richtigen Abstand zueinander aufstellen, um die Breite vom Grenzgänger zum ersten Mal live zu sehen. Der Anblick ist ... beeindruckend. Ja. Wir werden ordentlich breit sein.

 


Freddy hat sich eine Strategie überlegt, wie wir die Seitenrümpfe nach oben in das zweite Stockwerk unserer Werkstatt bekommen. Wie sie dann wieder nach unten kommen, ist noch ungeklärt ;-).

 

Wir haben eine Traverse für den Gabelstapler gebaut, zwei Gurte drum und anheben. Nach zwei minimalen Justierungen schwebt der Rumpf ausbalanciert und ruhig. Tatsächlich geht das alles ziemlich einfach. Wir können den Rumpf soweit hereinschweben lassen, dass das vordere Rollbrett wieder aufliegt. Dann kommt ein zweiter Gabelstapler von hinten, wir lösen die Traverse und Gurte und schieben vorsichtig nach. Wir haben uns das etwas komplizierter vorgestellt.

 

Beide Rümpfe sind jetzt „eingelagert“ und wir werden uns erstmal auf das Aufräumen und Optimieren der Werkstatt stürzen, bevor wir den Platz wieder mit dem Mittelrumpf belegen. 

Arbeiten am Bug

Wir mussten die letzten Tage etwas ruhiger treten. Genauer gesagt hat uns ein Virus erwischt und uns ziemlich ausgeknockt. Freddy war nach einigen Tagen wieder auf den Beinen, ich habe etwas länger gebraucht.

 

Ein bisschen sind wir aber seit dem letzten Eintrag bereits vorangekommen.

 

Die Bugbretter haben jetzt die Schräge, die wir uns für die Büge vorstellen. 16° Grad sind es, das wird ungefähr unserer Vorstaglinie entsprechen. Auf dem Bild liegen sie mit dem Kiel nach oben, also nicht verwirren lassen.

 

 

Und dann sind wir die Verbindung vom Sandwich zum Bugbrett angegangen. Wir wollen hier einen stabilen, sauberen und glatten Übergang. Das machen wir mit einer Spachtelmasse aus Epoxidharz. Polyurethanschaum wollen wir an der Stelle nicht verwenden, da es uns zu leicht delaminiert. 

 

Geheimrezept für unsere aufschäumbare Spachtelmasse

 

Man nehme:

500g Epoxidharz

600ml Microballons (ca. 2,5 Becher)

350ml Thixotropiermittel (ca. 1,5 Becher)

110g Härter (jeweilige Mischungsverhältnis beachten!)

20g Schaumtreibmittel

 

 

Diese Spachtelmasse erinnert uns massiv an Marshmellowcreme. Wir dürfen hier nicht ins Träumen kommen, sonst lecken wir nachher noch die Schüssel aus.

Die Creme lässt sich sehr dosiert auftragen. Danach legen wir noch etwas Abreißgewebe über den Bereich und lassen aushärten.

 

 

Wenn genug Spachtelmasse aufgebracht ist, wird alles glatt geschliffen und mit einer Lage 750g Triaxial-Glasgelege abgeschlossen. Jetzt haben wir einen sauberen und in alle Lastrichtungen sehr stabilen Übergang vom Sandwich auf den Bug. Die eigentliche Modellierung werden wir mit einem Polyurethan-Schaum machen. Der sorgt quasi für die Optik, hat aber mit der Stabilität weniger zu tun.