130. Mastsegmente zum Advent

Mit diesem Beitrag muss ich etwas aufholen, denn wir sind eigentlich schon weiter!

 

Am Wochenende des ersten Advents gehen wir unser erstes Mastsegment an. Die Masten liegen uns zeittechnisch doch sehr im Magen, denn die beiden A-Masten bestehen aus insgesamt 16 Segmenten, so dass wir eine Menge Zeit dafür investieren müssen.

 

Letzten Winter, auf der boot, hatten wir kurze Zeit damit geliebäugelt, von unserem selbstgewickelten Mastkonzept wegzugehen, der Zeit wegen, und waren mit einem Masthersteller in Kontakt, der uns unsere A-Masten berechnete. Doch die aufgerufenen Kosten haben uns dann doch erschlagen, so dass wir entschieden haben, bei Plan A zu bleiben. Der Masthersteller war aber so cool und hatte kein Problem damit, uns seine Berechnung zur Verfügung zu stellen. So hatten wir ein zusätzliches Backup bei der Planung unserer Masten, wobei wir ja noch die Sandwich-Variante und die Rippenverbindung zwischen Innen- und Außenschale zusätzlich haben. Wir gehen also davon aus, dass wir sogar noch dünner werden könnten. Aber unsere eigene Auslegung ist tatsächlich noch etwas vorsichtiger.

 

Unsere Auslegung ist eine Innen-Wandstärke von 1,5 bis 2mm und eine Außen-Wandstärke von 2 bis 2,5mm. Das Zielgewicht sollte bei 3 bis 3,5kg/m liegen. Ein Mastarm wird später aus drei Segmenten bestehen: 2 Segmente sind etwas über 5 Meter lang und eines knapp über 3 Meter. Dann planen wir noch mit „Hülsen“ und „Schäften“, damit wir die Segmente später ineinander stecken können. Das heißt, die Innen- und Außenschalen werden teilweise unterschiedlich lang sein.

 

Die Wickelmaschine selbst haben wir seit der PoC ja auch deutlich verbessert. Ich muss nicht mehr kurbeln!!, sondern habe jetzt ganz bequem eine Fernbedienung in der Hand. Freddy und ich müssen uns nur noch einigen, wie wir die Drehrichtungen bezeichnen, damit ich dann auch sicher bin, in die richtige Richtung zu drehen, wenn er die Ansage macht. Spoiler: daran müssen wir noch arbeiten. Außerdem ist das Roving-Filament jetzt nicht mehr auf Freddys Rücken, sondern an einer Laufkatzenvorrichtung. Auch für das drapierte Gelege hat sich Freddy was entsprechendes ausgedacht. Wir sollten gut und schnell vorankommen.

 

Freitag Nachmittags nach Feierabend (1.12.) schneiden wir die ganzen CFK-Zuschnitte parat. Wir werden Uni 300, Uni 150 und Bi-Diagonal 300 sowie Roving-Filament verarbeiten.

 

Samstag früh geht es weiter mit dem Bekleben der Styrodur-Segmente, während Freddy die letzten Vorbereitungen an der Wickelmaschine und am Temperierofen macht. Hier baut er er noch einen Saunaofen ein, damit wir die Temperatur etwas höher bekommen als mit unserem Temperiergerät. Das testen wir aber lieber nur unter Aufsicht.

 

Ja, und dann gehen wir das ganze dann doch irgendwie zu mutig an. Eine paar Fehlentscheidungen führen zu einer Verkettung, die, ich greife jetzt mal vorweg, zu einem Resultat führen, mit dem wir zwar irgendwie leben können, aber eigentlich nicht ganz happy sind. Was haben wir falsch gemacht? Wir haben die Laminierzeit des 3,1M Rohres zu optimistisch eingeschätzt. Wir haben mit einem neuen Epoxidharz-System gearbeitet, speziell für den Mastbau, mit dem wir keine Erfahrungen hatten. Die Verarbeitung war doch deutlich anders, das Material ließ sich nicht gut tränken, alles hat etwas länger gedauert als erwartet. Dadurch haben wir die Topfzeit deutlich überschritten und das Harz begann bereits zu gelieren, während wir noch weitere Lagen auflegten und dadurch ist die Innenschicht deutlich dicker und schwerer geworden als gewollt. Als letzte Lage wickeln wir das Roving-Filament in 11°-Orientierung und verbrauchen bei dieser Lage deutlich mehr Material als berechnet, was sich in Wandstärke und Gewicht auswirkt. Wir verbrauchen auch deutlich mehr Harz als berechnet. Als wir endlich Vakuum draufziehen, hoffen wir, einen Teil des Harzes wieder rausziehen zu können, aber es ist längst am gelieren und wir evakuieren genau 0,0 Gramm in die Harzfalle.

 

Ergebnis, ihr könnt es euch denken, ist ein entsprechend schweres Mastrohr. Zielgewicht dieses Rohres sollten 10kg sein, geworden sind es 13kg.

 

Als Krönung hauen wir uns beim Umwuchten in den Temperierofen noch ein paar Kerben in die Vakuumfolie, so dass wir erstmal wieder auf Lecksuche gehen dürfen, denn es pfeift und zischt überall.

 

Montag Abend (4.12.) packen wir das Rohr aus. Während wir unseren Greifzug entstauben, liegt das Mastsegment auf dem Aluminium-Rohr draußem im Schneegestöber, denn wir hoffen, dass wir durch diese Maßnahme vielleicht auf Trockeneis im Alu-Rohr verzichten können, um das Segment vom Rohr zu bekommen. Wenigstens diese eine Sache läuft: das Mast-Segment flutscht so easy vom Rohr runter, dass wir es gar nicht glauben können. Die Gurtschlaufen haben sich noch gar nicht richtig bekniffen. Das war ja einfach! Wir hatten uns auf einen Kraftakt eingestellt.

 

Wir schneiden das eine Ende des Mast-Segments ab und begutachten die Schichten: die Wandstärken sind deutlich dicker geworden als geplant und auch recht unregelmäßig. Wir werden beim nächsten Segment unseren Gelege-Plan nochmal etwas anpassen und zudem auf unser „übliches“ Harz gehen. Die nächsten drei Mastsegmente werden nochmal 3,1M Stücke werden, dann haben wir den direkten Vergleich. Die Laminierzeit dieses Segments hat fast 6 Stunden gedauert! Das muss deutlich kürzer gehen.

 

Vorschau: Stand heute (19.12.) sind die drei weiteren 3,10 M Stücke laminiert! Wir haben die Laminierzeit auf ca. 3,5 Stunden und das Gewicht auf 9,6kg reduzieren können!